Februar 25


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Das Schneechaos.

Ich lebe in NRW. Wir hatten seit dem 7. Februar hier ein Schneechaos, was seinesgleichen sucht. Gemessen an den Alpenländern oder den nordischen Regionen war es mit 30 cm Schnee ein Witz, aber wir sind das nicht gewohnt. Vor allem wenn alles so auf einen Rutsch kommt und dann noch mit Schneeverwehungen. Selbst die Autos unterm (!) Carport waren mit Schnee bedeckt.  Einen kompletten Tag haben wir gebraucht, um die 100 m lange Auffahrt zum Haus frei zu bekommen. Geklappt hat es nur, weil uns ein Nachbar geholfen hat. Angesichts der Berge von geräumten Schnee musste ich schon witzeln, da könnten wir noch Ostereier drin verstecken. Danach war Hausarrest angesagt, der mir sehr aufs Gemüt geschlagen ist. Schließlich konnte ich bestenfalls einkaufen gehen, weil der REWE nur 5 Minuten Fußweg entfernt ist. Autofahren war nicht drin, denn ich wohne in einer Nebenstraße, die erst später geräumt wird. Und als sie geräumt wurde, haben Autofahrer aus ihren Einfahrten und Parkplätzen wieder jede Menge Schnee auf die Straße getragen. Der nächste größere Supermarkt war auch nur mit Rutschattacken zu erreichen. Beim zweiten Versuch fuhr ich vorsichtshalber einen Umweg, wo die Straßen freier waren.

Vierter Nymphensittich?

Ich habe einige Vögel als Haustiere. Theo und Anna sind Nymphensittiche, Geschwister, aber trotzdem fest verpaart. Dazu gibt es noch Nymphie Nicki, die sich immer fürchterlich aufregt, wenn die beiden anderen – na ja, ihr wisst schon. Deswegen habe ich eine Anzeige in Ebay-Kleinanzeigen aufgegeben, um einen 4-6jährigen, viralen Hahn zu finden. Angebote bekam ich mehrere, meistens von Männern, die das Tier nicht von einem ähnlichen Begriff trennen konnten. Was geht nur in den Köpfen der Kerle vor??? Zuletzt hatte ich ein Angebot ins Auge gefasst, für das ich ca. 100 Kilometer fahren musste. Nur wußte der Typ weder wie lange er das Tier hat noch das Alter. Da mein Göttergatte sowieso gegen einen zweiten Hahn ist, habe ich die Anzeige gelöscht und sehe jetzt mit Bedauern meiner einsamen Nicki weiter zu, wie sie schreit, wenn die beiden anderen sich vergnügen. 

Über allem hängt natürlich das Damoklesschwert Corona, besonders in der Form der “britischen” Variante B.1.1.7. Seitdem habe ich beobachtet, wie die Leute einen immer größeren Bogen umeinander machten. Der Schnee mit den eingeengten Laufwegen machte das nicht immer leicht. Da wartete ich schon mal in einer Hauseinfahrt, um Leute mit viel Abstand vorbei lassen zu können. Für meine 85 jährige Mutter habe ich zwei Impftermine organisiert, die im April/Mai stattfinden. Aber für mich sehe ich den nächsten Impftermin erst gegen Weihnachten, wenn das in NRW so weiter geht. Ich bin zwar diejenige, die immer raus muss, um einzukaufen, habe aber das Pech, 59 Jahre alt zu sein. Dadurch falle ich durch das Raster, wonach als nächstes die über 60 jährigen dran sein sollen. Vom Verstand her bin ich dafür, dass erstmal die “Zukunftsträger”, also die Schulabgänger dran sein sollten. Dann die arbeitende Bevölkerung. Nicht, dass ich nicht arbeite, aber zum Bruttosozialprodukt trage ich im Moment wenig bei. Da sollten eher die Waren Produzierenden ran, die oft genug auch noch eine Familie zu ernähren haben.

Eingesperrt.

Insgesamt ist mir die letzte Woche sehr auf die Seele gefallen. Wegen Corona keine Kultur, wegen Corona kein Stöbern in den Läden, wegen Schneegestöber kein Rauskommen ohne Rutsch- und Verletzungsgefahr. Eingesperrt zu sein hasse ich wie die Pest.

Licht am Ende des Tunnels.

Ich bin froh, dass jetzt Licht am Ende des Tunnels ist. Der Schnee schmilzt, die Sonne kommt raus, ich war heute endlich mal für längere Zeit draußen, und +5 Grad ist ein anderer Schnack als die -16 Grad, die neulich nachts herrschten. Für diese Woche bin ich guten Mutes. Die Straßen sind befahrbar, mein Uralt-Twingo springt noch an und zumindest online gibt es so einige Kulturveranstaltungen. Doch der Kontakt ohne Kamera oder Telefon fehlt mir sehr. Anderen Leuten scheint es ebenso zu ergehen. Ich habe noch nie so lange Gespräche mit Kassierer:innen geführt, wie in der letzten Zeit. Und ich hatte das Gefühl, sie hatten es auch genossen. 

Die Zeit des Eingesperrtseins und der damit verbunden Depression ist jetzt vorbei. Frühling, ich warte auf dich!


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