Juni 12


Monatsrückblick Mai 2020

Die Dinge entwickeln sich nicht immer wie geplant.

Der 1. Mai ist der Tag der Arbeit. Bei Gewerkschaftlern jedenfalls, für viele andere ist er nur ein willkommener Feiertag. Coronabedingt fanden die gewerkschaftlichen Maifeiern nur online statt. Meine Teilnahme an dem gräßlichen gemeinsamen Online-Singen habe ich verweigert. Der DGB hatte sich einen Song ausgesucht, der viel zu lahm war. Das konnte nur die Qualität des Gemeindesingens in der Kirche ergeben. Nee, ohne mich, nicht mein Niveau, dafür halte ich meine Nase nicht in die Kamera und krächze mit. Aber ich habe meinem Mann, im ehemaligen Arbeitsleben ein Gewerkschaftssekretär, die Möglichkeit verschafft, sich die Maifeier auf dem Fernseher anzusehen. Normalerweise geht das auch direkt über die Flimmerkiste, aber ich bin mit der Neuverkabelung noch nicht fertig geworden. Also schloss ich das Gerät als 2. Bildschirm an das uralte Notebook an und hängte dieses in ein zweites, unabhängiges Wlan-Netz. Super Qualität, Männe war glücklich, und ich konnte im hauseigenen Netz weiter arbeiten. Er hasst es wie die Pest, wenn Übertragungen abbrechen.

Mutter kann sich nicht mehr halten

Am 3. Mai stürzte meine 84-jährige Mutter nach einem zu langen Spaziergang. Erst später stellte sich heraus, dass sie mit ihren übermüdeten Knochen versucht hatte, den steilen Kellerabgang ihrer Wohnanlage hinunter zu gehen. Dabei verlor sie das Gleichgewicht und stürzte aufs Gesicht. Irgendjemand hat das glücklicherweise mitbekommen und sie in die Notaufnahme gebracht. Anfangs befürchteten wir, man könne sie jetzt wirklich nicht mehr alleine lassen, überlegten schon, ob wir ihr nur einen Rollator besorgen sollten oder ob jetzt durchgreifendere Maßnahmen ratsam wären. Es war schließlich nicht der erste Sturz wegen ihrer Schwindelanfälle. Sie musste unter dem Auge genäht werden, die Brille war völlig verbogen und verkratzt und ein gediegener Bluterguss bahnte sich an. Einige Tage später sah sie aus wie Frankensteins Großmutter. Solche Vorfälle versetzen sie immer in helle Aufregung. Als Folge kann sie weder was Gescheites erzählen noch irgendetwas organisieren. So erfuhr ich erst einige Tage später, was wirklich passiert war. Das einzige, was sie direkt am nächsten Tag auf die Reihe bekam, war der Wunsch nach neuen Brillengläsern und die Mitteilung, welche Termine ich bitte telefonisch absagen solle. Hektik! Denn natürlich hatte sie ihre Termine nicht richtig im Kopf, und ich sagte die Krankengymnastik ab, nachdem der Termin verstrichen war… 

Sympaspeedtexter

5 Hacks, mit denen du deine besten Texte, ever, schreibst!

Am 4. Mai nahm ich aus Neugier und Interesse an dem Webinar von Judith Peters teil, worin  Tipps für besseres Schreiben vorgestellt wurden. Sympatexter? Chance oder ein weiterer kostspieliger Klotz am Bein? Webseiten kann ich so einigermaßen bauen, schreiben kann ich auch. Was dringend nötig ist, sind Ratgeber*innen und Korrektor*innen – andere qualifizierte Meinungen eben, die ich in meinem Umfeld nicht finde. Zögerlich begriff ich das Angebot als Chance, auch wenn es noch mehr Schreibarbeit bedeutet. Aber genau da steckt der offizielle Start meiner Website schlankfuttern.de ja fest! Ich weiß zwar, was ich schreiben könnte, aber zweifle an meiner Kompetenz. Den Kram kann schließlich jeder lesen und sich drüber lustig machen. Männer hätten da keine Skrupel! Zu dem Schritt “Scheiß drauf, du hast schon soviel männlichen Schrott gelesen, da kann man dem ruhig etwas weibliche Qualität entgegensetzen” habe ich mich noch nicht durchgerungen. Perfektionist halt. Dabei ist fast perfekt schon mehr als gut genug! Und es heißt “Die Qualität”, “Die Perfektion” und ”Der Schrott” – oft zu recht.  Außerdem ist der 4. Mai StarWarsDay und ich war schon immer ein Freund von geschichtsträchtigen Daten. May the fourth be with me. Denn man auf zu wahrem Jeditum! Danke dir,  Judith, für die Aufnahme in die Sympatexter-Akademie. Hier kann man sich den Laden mal ansehen: Klick Link: https://www.sympatexter.com/

Am 6. ging es bei den Sympatextern gleich richtig zur Sache: Hot Seat Call! Himmel, ich arbeite schon seit 30 Jahren mit und in Computern, habe es aber möglichst vermieden, Rachenfutter für Microsoft, Google und Co. zu werden. Es scheint leider nicht ohne Google und FB zu gehen, wenn man sichtbar werden will. Ich hatte in den Neunzigern sämtliche Dos-Befehle im Kopf, sogar mit den meisten Schaltern, habe Windows 2.0 verlacht, anstelle von Word lieber mit anderen Schreibprogrammen gearbeitet und statt MS-Dos  Dr-Dos geliebt. Damals konnte man noch ungestraft von Windows im Code rumpfuschen. So meldete sich der Maustreiber als Klaustreiber, Microsoft erschien überall als Mikrosaft und ähnliches. Solche Spielchen haben mir einen irren Spaß gemacht. Tja, damals war es überhaupt kein Problem, sich nächtelang an so einem Quatsch abzuarbeiten. Times are a-changing  🙁

Jetzt steh ich bei FB wie der Ochs vorm Berg, versuche, meine Abneigung gegenüber Google zu überwinden und muss mich zusätzlich zu WordPress, Themes, Plugins, Cookies, DSGVO, SEO, (wieviel Platz ist hier eigentlich?) auch noch mit Strukturen auseinandersetzen, die mir ziemlich fremd sind. Einmal durchatmen und mein Mantra wiederholen: Wer aufhört zu lernen, der kann den Sargdeckel gleich zuklappen. Los!

So kam es mir jedenfalls mit Beginn des Trimesters am 11. Mai vor. Teilweise wusste ich schon, was mich erwartet, aber dass es so viel sein würde hätte ich nicht gedacht. Augen zu, nein, eyes wide open und durch, auch wenn es ein bisschen dauern wird. Accounts bei allen systemrelevanten (das zukünftige Wort des Jahres?) Institutionen sind vorhanden:

  • Facebook        privater Account
  • Instagram        blanke Neugier, gucke ich kaum rein
  • Youtube        Filme merken. Das Youtube auch als Suchmaschine benutzt             wird, war mir neu.
  • Pinterest        Wie doof muss man eigentlich sein. Die ganzen Links auf                Websites habe ich zwar gesehen, mir aber keine Gedanken             darüber gemacht. 
  • LinkedIn        Das Arbeitsamt riet mir dazu. Muss ich mich dringend mit                 beschäftigen. Der Lebenslauf muss dort lückenhafter sein, als             er ohnehin schon ist. 
  • Canva            Im Februar schon eingerichtet und schon heiß geliebt. Und sie            werden immer besser!
  • Pixabay        Account besteht schon lange. Aber ich gucke nur. Süffisanter             Kommentar von Pixabay: Wow, das ist ein sehr übersichtliches             Portfolio!

Das und einiges anderes habe ich zwar, nur alles etwas unvollständig. FB hatte ich lediglich benutzt, um mit Freund*innen zu kommunizieren, die ich vom Anfassen her kenne, Istagram aus reiner Neugier, LinkedIn, weil das Arbeitsamt mir das geraten hat und Google aus Angst vor der gläsernen Dagmar gemieden wie die Pest. Das einzige, mit dem ich mich leidlich auskenne, ist mein Emailaccount bei web.de, Firefox mit Metager und WhatsApp. Da ergriff mich eine große Ratlosigkeit, wo ich anfangen sollte. Wie üblich setzte ich überall gleichzeitig an, anstelle vernünftigerweise erstmal einen Punkt abzuarbeiten. Mit dem Erfolg, dass ich jetzt Ende Mai das Gefühl habe, nichts geschafft zu haben. Dabei habe ich bis auf ein paar Tage Pause jeden Tag mehrere Stunden an dem Gesamtkunstwerk gearbeitet. Wie kann ich mich fokussieren? Weiß ich doch. Warum mache ich es dann nicht? Weiß ich nicht.

Ich glaube, nein, ich bin mir sicher, die Mitarbeit in der Sympatexter Akademie bringt mich dazu, an einer Sache dran zu bleiben.

Muttterkuchen

Am 10. Mai, dieses Jahr vorgezogen auf den 9., war Muttertag. Das heißt mal wieder Pflichtbesuch, den ich diesmal aber gerne und neugierig machte. Will ja sehen, wie es ihr zuhause geht und ob sie nach dem Unfall klar kommt. Mit dem obligatorischen Geschenk kam mir der Zufallsgott entgegen. Die beste Bäckerei in der Gegend hatte ein besonderes Angebot inseriert: Ein Muttertags-Törtchen, Erdbeeren in Sahnecreme mit Schokolade verziert. Haben will! Da ich samstags nie so genau weiß, wann ich es in die Stadt schaffe, rief ich am Freitag an und wollte vorbestellen. Die Mädels aus dem Verkaufsraum wußten aber noch nichts genaues, versprachen, sich schlau machen. Eine halbe Stunde später kam dann die Auskunft: Vorbestellen ist erst direkt am Samstag möglich. OK – Kuchenwecker auf 8:00 gestellt und Anruf erfolgreich getätigt. Gegen 10:00 hatte ich es zur Bäckerei geschafft. Drinnen lachte mich schon ein gut gefülltes Regal mit den Mutterkuchen an. Mein Exemplar holte ein eilfertiger Lehrling aber direkt aus dem Kühlschrank. Es war bald einen Zentimeter höher als die ausgestellten Törtchen und sah perfekt aus! Belustigt sah ich ihm zu, wie er es sehr, sehr vorsichtig und ungeübt verpackte. Weniger belustigt war ich darüber, dass das Törtchen nur auf einem runden Pappdeckel stand und ich keinen Einkaufskorb, sondern nur eine Stofftasche dabei hatte. Also kellnerte ich den Mutterkuchen durch die noch nicht allzu belebte Stadt 15 Minuten lang nach Hause. Dort fand er ein Übergangsheim in dem Einsatz des Schnellkochtopfs. Der hatte zufällig den selben Durchmesser. Mit meiner Mutter hatte ich einen vorgezogenen Muttertagsbesuch vereinbart, denn am Sonntag war schon ein anderer Termin geplant. Im 17 km entfernten Lemgo packte ich ihn dann unter den wachsamen Augen meines Muttertieres aus – und musste so kurz vor der Zielgeraden noch mit dem Finger versehentlich dran stoßen. Abschlecken war lecker! Obwohl ich eigentlich nichts Süßes esse. Sie hatte noch zwei Tage was davon, war aber hellauf begeistert. Kuchen sind eben doch die besseren Blumen!

Metamorphose

Seit ich mich im Oktober 2019 dazu entschlossen habe, definitiv für den Rest meines Lebens mein eigener Chef zu sein, habe ich die vornehme Zurückhaltung auf FB aufgegeben. Zwar spiegelt mein Account im Moment nur wider, was mich maßlos aufgeregt hat und worüber ich immer noch wütend bin, aber der Corona-Mist hat nun mal gerade die kleinen Selbstständigen in große Bredouille gebracht – meine ehemaligen Kollegen und die jetzigen Mitstreiter. Und keiner von denen da oben hat nur einen winzigen Schimmer, unter welchen Umständen Menschen arbeiten, deren Werke sie gerne konsumieren, sei es Musik, Schauspiel, Film, Malerei oder Literatur. Folglich habe ich viel Zeit mit Recherche und Schreiben verbracht, ohne Rücksicht auf Verluste. Das hat meine Mai-Arbeit leider zu spüren bekommen. Wie ich mich mit der Situation der Menschen während der Pandemie beschäftigte, wurde mir klar, welch ein Glück es ist, einigermaßen rechtschreibsicher zu sein und keine lähmende Bühnenangst zu haben. Wenn die Websites erstmal ein sicheres Standbein haben und draußen sind, werden sie noch mit kurzen Videos aufgehübscht. Google mag so etwas, und ich beuge mich dem Herrgott des Rankings. Ursprünglich sollte das Online-Coach-Projekt erst an zweiter Stelle kommen, wo jetzt aber klar ist, dass das Virus uns so schnell nicht in Ruhe lässt, rückt das Projekt an erste und vorläufig einzige Stelle neben der ganzen Lernerei. Ideen habe ich mehr als genug, doch auch so ist es schon viel Holz, dass brennfertig gehackt werden will.

Amrum

Bild von Achim Scholty auf Pixabay

Ende Juni ist es soweit: Urlaubsreise nach Amrum! Zweimal waren wir schon auf der kleinen, sandigen Insel. Die Ferienwohnung war schon Anfang Januar gebucht – und das Virus schien alles zunichte zu machen. Die Inseln durften während des Lockdowns nur von Leuten betreten werden, die ihren Erstwohnsitz dort haben. Mein Mann wollte nach Anbruch des Lockdowns sofort stornieren, doch ich war der Meinung, Ministerpräsident Günther kann unmöglich den Insulanern ihre Hauptverdienstquelle auch im Sommer rauben. Das fehlende Ostergeschäft hat schließlich schon spürbare Lücken gerissen. Vorsichtshalber schlug ich dem Vermieter einen Deal vor: Wir zahlen jetzt schon an und bekommen dafür die Zusicherung, kurzfristig in eine Lücke von einer Woche einspringen zu dürfen. Er lehnte mit der Begründung ab, er müsse im Falle eines Falles Verluste nachweisen können, um Hilfen zu erhalten. Weder mit Storno noch mit Anzahlung sei ihm geholfen. Also abwarten und erstmal Tee trinken.

Mittlerweile darf auch Otto Normalverbraucher wieder dorthin. Befürchtet hatte ich nur, Günther gibt die Inseln nicht für NRW-Bewohner frei, da der Lockdown hier eher lasch(-et) gehandhabt worden ist. Es wäre einleuchtend gewesen, uns NRWler als mögliche Infektionsquellen zu brandmarken.

So ganz passt das Kapitel nicht mehr in den Mai. Jedoch hat die Entwicklung der Lockerungsbestimmungen mich zur ständigen Beobachtung der Lage in Schleswig-Holstein gezwungen. Der Ministerpräsident von SH hatte schon Recht damit, die Inseln zu sperren. Während im gesamten Land die Krankenhauskapazitäten aufgestockt worden sind, war das auf den kleinen Inseln kaum möglich. So blieben sie nahezu ohne Infizierte, während hier wenigstens ein Teil der Bevölkerung gelernt hat, verantwortungsvoll mit der Situation umzugehen. Als Problem bleibt die Fähre. Ich sehe die Fährverbindung als Flaschenhals mit Menschengedränge. Man kommt zwar durch die Ladeluke locker mit Abstand rein, aber auf den Treppen zu den einzelnen Decks kann es jedoch verdammt eng werden. Und im Ankunftshafen ist erfahrungsgemäß immer das Gedränge groß. Die Fähre kann nur wenige Male am Tag über das Wattenmeer schippern, bei Ebbe würde sie auf Grund laufen. Obendrein darf sie zur Zeit nicht maximal belegt werden. Nach Auskunft der Reederei geht es leider nach dem Muster: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst – ob er nun seit Monaten eine Fahrkarte hat oder erst seit gerade eben. Eine bestimmte Fähre kann man nur mit Auto buchen, und das lassen wir auf dem Festland stehen. Da heißt es überpünktlich sein. Die Nachmittagsfähren gehen um 15:00 und 18:00. Selbst wenn wir 15:00 anpeilen, müssten wir um 09:00 losfahren. Eine schwere Aufgabe für einen Mann, der gerne lange schläft. Mich erträgt er ja nicht am Steuer…
Das nächste coronabedingte Problem ist, am Samstagabend noch etwas zu essen zu bekommen. Viel mitschleppen können wir nicht, weil wir unmotorisiert auf der Insel unterwegs sein werden. Die Supermärktchen haben dagegen spätestens um 18:00 geschlossen und die Fähre braucht zwei Stunden für die Überfahrt. Glücklicherweise beginnt die Gastronomie aber allmählich, unter beschränkten Bedingungen zu öffnen. Und es gibt das Internet, in dem man meist die neuesten Informationen dazu findet.

Leider musste ich feststellen, dass die Restaurants gleich um die Ecke der Ferienwohnung nicht mehr in der gewohnten Form existieren. In sechs Jahren verändert sich eben viel. Die Suche dauerte recht lange, bis ich eine Futterstelle gefunden hatte, die zwar ein anderes, aber ansprechendes Angebot hat. Da muss ich rechtzeitig einen Tisch bestellen (anders geht es in keinem Restaurant auf der Insel) und hoffen, dass wir die 15:00-Fähre besteigen dürfen.

Ausblick

Meine Aufgaben für Juni:

  • Borlabs-Cookies konfigurieren
  • Texte endlich fertig schreiben
  • Newsletter einrichten
  • Claim und 3er-Kombo polieren
  • Websites das Licht der Welt erblicken lassen
  • Kurse über Paleo und Keto durchackern
  • Ausbildung zum Stress- und Burnout-Coach beginnen
  • Videos drehen
  • Noch was? Klar!

Erstens wird mir das Leben wie immer ständig dazwischen kommen und zweitens fällt mir viel zu oft noch was gaaanz Tolles ein, was ich unbedingt noch machen muss…

Übrigens: Ich mach das, weil ich´s kann.


Tags

2020, Mai


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Über mich.

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